Statement Einweihung Mühlenteich-Park

Das Ufer des Mühlenteichs als öffentlicher Park – diese Geschichte beginnt erst nach 1900. Sie endet jäh mit dem Feuersturm von 1943, der nicht nur den kleinen Park und die Schule, sondern auch das angrenzende Wohn-und Gewerbequartier, das Brauhaus-Viertel und die Kleinbetriebe direkt am Ufer, schwer verwüstete. Ein Menschenalter hat es leider gedauert, bis hier und heute ein vergrößerter grüner Erholungs-und Begegnungsort entsteht. 

Er ist gewissermaßen ein kleiner Ausgleich für das  „grüne Wohnzimmer“, das einst der Wandsbeker Markt seinen Bewohnern bot. Erst ab 2007 mit der Suche nach Investoren für das sog. Mühlenquartier rückte auch der Park wieder ins Planungsinteresse.

Aus diesem Anlass hat sich die Geschichtswerkstatt Wandsbek mit der langen Geschichte des Standorts nahe der Wandse und dem häufigen Nutzungswandel befasst. 

Hier lag mit dem Mühlenwesen vor 450 Jahren die Keimzelle des späteren Fabrikorts. Die Eingriffe in die Natur waren gewaltig: Durch die Verlegung des Flussbetts und  den Stau der Wandse um 1570 entstanden auf den weiten, früher oft sumpfigen Uferflächen die ersten Gewerbebetriebe, die Wasser und Wind als Energieträger nutzten. Neben der Gutsmüllerei, zu der auch Windmühlen gehörten, gab es hier im westlichen Teil seit dem 17. Jahrhundert eine Brauerei mit mehreren Schänken und Herbergen, Brennereien, Brotbäcker, eine Stärkefabrik. In der Mitte des Südufers lag seit 1685 Haus Marienthal, der repräsentative Witwensitz der Baronin v. Kielmannsegg, kaum fünfzig Jahre später eine zweifelhafte Vergnügungsstätte. 

Eine neue Zeit begann mit den Textilmanufakturen, die hier nahe am Wasser ab 1770 von Schimmelmann angesiedelt wurden. Da verschwanden auch die rauchenden Schmelzöfen der vom Gutsherrn geförderten Affinerie schnell  wieder, um für die aufwändige Rasenbleiche rund um den Mühlenteich Platz zu schaffen. In dieser Zeit verwandelte sich das Bauerndorf grundlegend in einen Fabrikort, denn auch andere, meist Hamburger Unternehmen erkannten die Chancen des Standorts am Wasser, nahe an der damaligen Landesgrenze. 

Der Nutzungswandel setzte sich fort mit der Einführung der Dampfkraft und neuen Technologien. Als ab 1830 die Rasenbleiche durch chemische Verfahren ersetzt und das mühsame Trocknen durch Einsatz von Dampfmaschinen entfiel, entstand Platz für neue Bebauung. Peter von Lengercke errichte auf dem südöstlichen Ufergelände seine Villa in Sichtweite der Kattunfabrik und legte einen wunderbar gestalteten Privatpark an. Die Pläne des französischen Landschaftsarchitekten Ramée waren Vorbild für die heutige Wegführung. Im Hause Lengercke logierte der dänische König 1840, was der Königstr. später den Namen gab. 

Der westliche Uferbereich nahe der alten, 1860 stillgelegten Rantzau-Mühle blieb weithin Gewerbefläche. Daneben entstand später eine große Volksschule für die rasch zunehmende Bevölkerung des Viertels. Auch die angrenzende  Königsreihe und die Brauhausstraße wurden in preußischer Zeit stärker bebaut, z. T. mit stattlichen Etagenhäusern

Die industrielle Revolution im Wandsetal hatte seit den 1830er Jahren viele Fabrikarbeiter und Dienstleute nach Wandsbek gezogen. Sie fanden günstigen Wohnraum, meist 1-2 Stuben, in den Hinterhöfen des Viertels hinter den schmucken Fassaden der Marktstraße. 

Es entstand hier ein Mikrokosmos von Kleingewerbe und Wohnen in Gängen, Passagen und Terrassen. Hier wohnten abseits der bürgerlichen Wohnviertel eher die Armen und das verschärfte sich noch nach 1919. Die Stadt Wandsbek richtete hier zahlreiche Notwohnungen ein und schaffte es kaum, die heruntergekommenen Häuser zu erhalten. 

Mit dem Ende des 2. Weltkriegs besserte sich an dieser Stelle nicht viel. Zwischen Sinti-Lager und notdürftig wiederhergestellten Behausungen richtet sich das Vorkriegs-Kleingewerbe wieder ein, auch entstanden einige wenige neue Büro- und Werkstattgebäude in den Randlagen. 

Die Erneuerung des Viertels samt Park ist nun in vollem Gange.  Ob sich dabei eine ausgewogene soziale Struktur mit günstigen Wohn- und Gewerbeflächen wird durchsetzen lassen? Ob die weitere Ausgestaltung des Parks mehr Bürgerbeteiligung bringen wird? Ob auch Raum bleibt für ein neues Kulturschloss, das so vielen Bürgern Begegnungs- und Entfaltungschancen bietet? Das sind Fragen, die heute auch gestellt sein dürfen.