Der Wandsbeker Geschichtsstein

 

 

Aus Anlass der Eingemeindung Hamburgs nach Groß-Hamburg 1937/ 38 wurde am Rande des Wandsbeker Marktplatzes ein Gedenkstein aufgestellt. „Mit einem Federstrich“ (Hitler) werden 27 Nachbargemeinden und drei Städte, darunter Wandsbek, zu Groß-Hamburg zwangsvereint. Bei fast verdoppelter Gebietsgröße betrifft dies 500.000 Menschen. Hamburg wird zweitgrößte Stadt im Reich. Die seit langem auch in Wandsbek erwünschte Wirtschaftseinheit erfolgt nun durch die NS-Diktatur, um ein deutlich vergrößertes Gebiet auch politisch zentral in Dienst zu nehmen.
Der Geschichtsstein, noch von den übergangsweise amtierenden Parteigängern der NSDAP aufgestellt, vermittelte ein Geschichtsbild, das von ´urgermanischen´ Anfängen in Hitlers ´Rassestaat´ einmündet. Diese Version wird offenbar erst 1964 durch zwei Textlöschungen und Ergänzungen geändert. Die übrigen Geschichtsdaten bleiben jedoch in der alten Fassung, ja ein Datumsfehler kommt hinzu. Einige Aussagen sind banal, andere bleiben in der inhaltlichen Verknüpfung unverständlich.
Trotz mehrfacher Umsetzung des Geschichtssteins an anderer Stelle und einer beigegebenen roten Tafel kam es bis heute zu keiner inhaltlichen Befassung mit dem Nazi-Relikt in Gestalt notwendiger Informationen zur NS-Herkunft und jenen Ergänzungen, die aus politischen Gründen damals unterblieben . Wichtige Etappen der Wandsbeker Entwicklung, politisch-demokratisch, ökonomisch, sozial, bleiben Leerstellen – auch die lange Geschichte der jüdischen Gemeinde Wandsbeks, die nahezu ausgelöscht ist und der für Wandsbeks Ortsbild und Gesellschaftsstruktur tiefgreifende Einschnitt des Krieges fehlen.
Aus diesen Gründen ist nunmehr im Jahr 80 nach Errichtung des Steins eine Diskussion in Gang gekommen, wie mit dem geschichtlichen Gedenken im öffentlichen Raum umgegangen werden soll. Durch die Eingabe eines Mitglieds der GW Wandsbek ist auch der zuständige bezirkliche Ausschuss mit der Angelegenheit befasst. Es wird also eine Entscheidung dazu geben, ob und in welcher Form die offizielle Geschichtsschreibung Wandsbeks neu geschrieben werden sollte.

Die Geschichtswerkstatt Wandsbek ruft hiermit dazu auf, Vorschläge zu einer angemessenen Gedenkkultur einzubringen, die den Geschichtsstein in seiner heutigen Gestalt als Stein des Anstoßes und Mahnung kommentiert und um wichtige Daten ergänzt.
Dazu gibt die beigefügte Zeitleiste Anregungen.