Lexikon zur Geschichte Wandsbeks

 

Gehölz

Bei dem Wandsbeker Gehölz handelt es sich um den Rest eines riesigen Waldgebiets im östlichen Hamburg. 1857 erwarb der Kaufmann und Grundstücksspekulant Johann Anton Wilhelm von Carstenn den südlichen Teil Wandsbeks, um diesen zu parzellieren und damit die Villenkolonie Marienthal zu gründen.

Auch das Gehölz sollte dieser Parzellierung zum Opfer fallen.

Dagegen regte sich in der Bevölkerung Widerstand, zumal schon Teile des damals frei zugänglichen Schlossparks parzelliert worden waren.

Auf diesen Druck hin kaufte die Fleckenverwaltung die Gehölze zurück und rettete sie damit vor der Abholzung.

Die Gehölze wurden für die Hamburger Stadtbevölkerung ein beliebtes Ausflugsziel, das bekannte Ausflugslokal "Groß  Jüthorn" bestand bis 1938.

Blick vom Gehölz auf die Hamburger Kirchtürme 1835
Blick vom Gehölz auf die Hamburger Kirchtürme 1835

KZ Neuengamme Außenstelle Wandsbek

Von Sommer 1944 bis Mai 1945 befand sich an der Ahrensburger Straße 162 die Außenstelle Wandsbek des KZ Neuengamme. 

Zur Herstellung von Gasmasken für die angrenzenden Drägerwerke AG mussten hier über 500 zumeist weibliche Häftlinge Zwangsarbeit leisten. Die Befreiung durch britische Truppen erfolgte im Mai 1945. Im Zuge der juristischen Aufarbeitung durch die Alliierten gab es 3 Freisprüche und zwei Verurteilungen: Lagerleiter Steenbeck erhielt 20 Jahre Zuchthaus, der Wachmann Dreier fünfzehn Jahre.

Seit Mai 2010 befindet sich auf dem ehemaligen Gelände eine kleine Gedenkstätte.

Marienthal 

1857 wurde der südliche landwirtschaftlich geprägte Teil Wandsbeks von den Nachfahren Schimmelmanns an den Hamburger Kaufmann Carstenn verkauft. Dieser ließ das Gebiet parzellieren und schuf damit die Villenkolonie Marienthal.

Laut früheren Erklärungen geht der Name auf einen Witwensitz zurück, den der Kaiserliche Rat Kielmannsegg 150 Jahre zuvor für seine Frau Marie am Mühlenteich bauen ließ. Es wurde jedoch eine Urkunde gefunden, dass Carstenn seine Villenkolonie nach seiner Tochter Marie benannte. 

Wahrscheinlich ist, dass Carstenn nach einem guten klingenden Namen suchte, in dem seine Tochter vorkam und sich dann für die damals schon historische Bezeichnung des Witwensitzes entschied.

1878 erfolgte die Eingemeindung Marienthals nach Wandsbek.

Seit der bezirklichten Neuordnung von 1949 ist Marienthal ein eigenständiger Stadtteil im Bezirk Wandsbek, der seinen grünen Charakter bewahren konnte.

Postkarte Marienanlage um 1906
Postkarte Marienanlage um 1906

Steinbänke und Säulen Hammer Straße 

Auf dem Mittelstreifen der Hammer Straße auf der Höhe des Asmusweg befinden sich neben einem Grenzstein zwei historische Steinbänke mit zwei Säulen. Auf den Bänken soll schon Matthias Claudius mit seinen Freunden gesessen und über die damals noch unbebauten Heideflächen nach Hamburg geschaut haben.

Später säumten sie die Zufahrt zum Traunspark .

Nach dem Abschluss der Bauarbeiten für die Bahn-Unterführung sollen Bänke, Säulen und Grenzstein wieder aufgestellt werden.

Foto: Ajepbah (Wikipedia)  | Grenzsteine, Säulen und Steinbänke auf dem Grünstreifen in der Mitte der Hammer Straße in Hamburg-Marienthal  | Lizenz: CC-BY-SA
Foto: Ajepbah (Wikipedia) | Grenzsteine, Säulen und Steinbänke auf dem Grünstreifen in der Mitte der Hammer Straße in Hamburg-Marienthal | Lizenz: CC-BY-SA

Traunspark

Das Areal zwischen Hammer Straße und Claudiusstraße wurde 1797 von Christian Schimmelmann (der Sohn von Heinrich Carl von Schimmelmann) verkauft und dort ein Herrensitz errichtet, in dem später der Hamburger Fabrikant, Senator und Sozialpolitiker Heinrich Traun (*1838, † 1909) lebte. Nach ihm wurde das Areal Traunspark genannt. Die Steinbänke und Säulen, auf denen Matthias Claudius ein Jahrhundert zuvor mit seinen Freunden gesessen haben soll, säumten den Zugang zu diesem Anwesen.

Die Parzellierung des Traunspark erfolgte erst 1913, heute erinnert lediglich die dort gelegene Straße Trauns Allee an diese vergangenen Zeiten.

Einen auch nach dem Senator benannten Traunspark gibt es heute noch in Rothenburgsort.